Interview: Europas Halbleiterbranche sieht Handlungsbedarf Interview: Europas Halbleiterbranche sieht Handlungsbedarf - Computerwelt

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07.10.2013 Rudolf Felser/apa

Interview: Europas Halbleiterbranche sieht Handlungsbedarf

Die internationale Halbleiterbranche verbucht 2013 als durchschnittliches Jahr mit einem Wachstum von sechs Prozent - weltweit. Vom 8. bis 10. Oktober trifft sich der weltweite Branchenverband SEMI zur europäischen Leitmesse SEMICON in Dresden. Die Nachrichtenagentur dpa sprach mit Heinz A. Kundert, Präsident von Semi Europe, über die Lage der Branche und den Wettlauf Europas mit großen Herstellern in Asien.

Heinz A. Kundert, Präsident von Semi Europe

Heinz A. Kundert, Präsident von Semi Europe

© Semi Europe

Für 2014 rechnet Kundert mit einer positiven Entwicklung. Der Markt für Halbleiter werde weiter wachsen, "und im Bereich von Halbleiter-Anlagen rechnen wir weltweit sogar mit einem Wachstum von 15 Prozent. In Europa wird erwartet, dass sich der Umsatz dank größerer Investitionen von 1,8 auf rund 3,7 Mrd. Euro verdoppelt." Das Materialgeschäft werde voraussichtlich kontinuierlich mit fünf Prozent wachsen. Das Positive daran sei, dass ein Viertel aller weltweit verkauften Halbleiter-Anlagen in Europa entwickelt und gefertigt werde.

Wie wird 2013 für Ihre Branche ausfallen?
Heinz A. Kundert:
Für die Halbleiterindustrie wird 2013 ein durchschnittliches Jahr sein, mit geschätzten sechs Prozent Wachstum. Der Halbleiter-Anlagen-Markt allerdings wird das Vorjahresniveau erreichen oder leicht darunter liegen. Für 2014 wird hier wieder ein Wachstum von rund 15 Prozent erwartet.

Die Europäische Kommission hat im Mai ihre Strategie für die Mikroelektronik vorgestellt. Sind damit alle Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt?
Es gibt noch immer einen sehr großen Handlungsbedarf. Zunächst ist es sehr positiv, dass man in Europa die Produktion von Mikrochips als strategisch ansieht. Wir müssen einen signifikanten Anteil am Weltmarkt haben, damit wir die kritische Masse nicht unterschreiten. Schließlich sind Mikrochips entscheidend für viele andere Produkte, die wir in Europa herstellen. Vor allem Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande und Großbritannien sind nun gefordert. Die Ziele, die man sich vorgenommen hat, sind ehrgeizig. Bis 2020 soll der europäische Marktanteil an der weltweiten Chipproduktion auf 20 Prozent steigen. Von der Industrie werden 100 Mrd. Euro Investitionen erwartet, die öffentlichen Fördermittel für Forschung und Innovation sollen sich auf 10 Mrd. Euro belaufen.

Das sind große Zahlen, aber wo steht Europa derzeit?
Bei der Halbleiterherstellung sind wir bei sieben bis neun Prozent Weltmarktanteil. Wir hatten schon mal 17 Prozent. Um die Marke von 20 Prozent zu erreichen, muss man die Kapazitäten massiv erhöhen. Bestehende Kapazitäten nur auszubauen, wird nicht reichen. Wir brauchen dazu neue Fabriken. Es ist noch völlig offen, wer die bauen und bezahlen wird. Es braucht jetzt einen Masterplan, welcher von der Industrie zusammen mit der Europäischen Kommission sowie den beteiligten Mitgliedstaaten gemacht werden muss. Im Moment besteht gerade mal eine Vision, aber kein Plan. Allerdings hat es so auch in Japan, Taiwan, Südkorea und China begonnen. Wir brauchen konkurrenzfähige Rahmenbedingungen. Taiwan ist kleiner als die Schweiz und hat heute eine der größten Chipfabriken der Welt. Man muss also kein großes Land sein, um so etwas zu machen. Wenn Europa zu den Playern gehören will, braucht man Zusammenarbeit, einen guten Plan und viel Geld.

Es wird viel über die 450-Millimeter-Technologie (Wafer) spekuliert, die heutige Formate wie 200 und 300 Millimeter ablösen soll. Wann steht die erste Fabrik der neuen Generation?

Wir rechnen am Ende dieses Jahrzehntes damit. Es wird nur eine Handvoll Firmen geben, die dazu in der Lage sind. Schließlich belaufen sich die Kosten für eine solche Fabrik auf reichlich sieben Milliarden Euro. Es wäre gut, wenn eine davon in Europa stehe würde. Aber das ist momentan alles Spekulation. (apa)

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